Das Zentrum Wattenscheids als Mittelpunkt der sozialen Stadt

Die Veränderungen unser Sozial- und Einkaufsgewohnheiten, die mit dem digitalen Fortschritt einhergehen, stellen Städteplaner*innen vor eine schwierige Frage: Was tun mit der Innenstadt? Für uns als Sozialdemokrat*innen ist klar, dass wir eine lebenswerte Innenstadt in Wattenscheid wollen, da sie Treffpunkt ist, grundlegende Bedürfnisse im Bereich der Daseinsvorsorge abdeckt und Knotenpunkt des gesellschaftlichen Lebens ist. Gerade für die vielen Menschen, die nicht so privilegiert sind wie manche wenige, ist ein reichhaltiges und bestens angebundenes Innenstadt-Angebot wichtig. Deswegen wollen wir die Wattenscheider Innenstadt zur „guten Stube“ unserer Stadt, zum kulturellen Hotspot und lebenswerten Mittelpunkt Wattenscheids, entwickeln. Die nachfolgenden Gedanken sollen dabei der Aufbruch unserer politischen Debatte sein und definieren in einigen Punkten unsere konkreten Forderungen.

 

Platz für Highlights!

Dass es Interesse an einer starken Wattenscheider Innenstadt gibt, zeigt der regelmäßige Andrang zum Wochenmarkt oder auch zu Stadtteilfesten wie „WAT 600+1“ oder dem liebgewonnen Weinfest. Solche Highlights wollen wir, auch untermauert mit verkaufsoffenen Sonntagen, erhalten und weiterhin fördern. Es braucht sie, um auf die Vielfalt der Wattenscheider Innenstadt aufmerksam zu machen.

Hinzu kommt, dass die Wattenscheider Innenstadt prächtige Fassaden bietet, die sie zu einer echten und sehenswerten Altstadt machen. Es gilt, Förderprogramme zu nutzen, um diese Fassaden in Stand zu setzten und sehnswert zu machen. An Neubauten könnten Installationen angebracht werden, die das Stadtbild ihrerseits prägen statt den Altstadt-Flair entgegenzustehen.

 

Leerstand bekämpfen!

Die Wattenscheider Innenstadt hat mit weitgehendem Leerstand zu kämpfen. Dieser ist durch die Zentralisierung des Einkaufsangebotes in das Gertrudiscenter und die schwindende Attraktivität analoger Geschäfte durch die Konkurrenzsituation zum Onlinehandel zu erklären. Doch hinzunehmen ist der Leerstand nicht! Eine attraktive Innenstadt benötigt vielfältige Angebote, die zum Besuch anregen und zum Bleiben verleiten. Aus diesem Grund gilt es, die Situation für Mieter*innen attraktiver zu machen. Im Rahmen von Förderprogrammen wie dem ISEK sollen die teils historischen Fassaden der Häuser saniert werden, wodurch die bauliche Attraktivität gesteigert wird. Auch müssen alle Akteure, also Einzelhändler, Mieter der Ladenlokale und Vermieter an einen Tisch gebracht werden, um ein gemeinsames Konzept zu entwickeln. Hierbei darf es keinen spekulativen Leerstand geben.

 

Nutzung streuen!

Klar ist aber auch, dass unsere Innenstadt nur dann überleben und aufblühen kann, wenn der Weg weg geht von der reinen „Einkaufsstadt“. Die Konkurrenz ist hier zu groß, neben dem Onlinehandel sind es auch verschiedene Einkauszentren mit ganz anderen Möglichkeiten. Die Konzentration kann im Handelsstandort darauf liegen, in der Innenstadt den täglichen Bedarf decken zu können. Aber Handel allein ist nicht die Antwort: Der freie Raum eignet sich für Begegnung, für kulturelle Angebote. Eine Innenstadt muss heute vielfältig sein. Hier ist auch an eine alternative Nutzung von Leerstand zu denken.

 

Zugang verbessern!

Die Wattenscheider Innenstadt ist aktuell eingekreist von vielbefahrenen Straßen. Insbesondere der August-Bebel-Platz ist aktuell ein für Fußgänger unangenehmer Verkehrsknotenpunkt. Die Überwindung der unattraktiven Zugangswege zur Innenstadt stellt folglich für Besucher*innen eine Hemmschwelle da. Dem muss entschieden entgegengetreten werden: Durch die neue Bebauung am August-Bebel-Platz, bei der weiterer Wohnraum geschaffen wird kann dieser zum einladenden Platz, den sich Zufußgehende, Rad- und Autofahrende sowie der ÖPNV gleichberechtigt teilen, weiterentwickelt werden. So ist die Umwandlung des Verkehrsbereiches zu einem Shared-Space-Bereich und die Schaffung eines neuen, attraktiven Spielplatzes sinnvoll. Dies hätte den weiteren positiven Aspekt, dass neben dem Gertrudiscenter am unteren Ende der Innenstadt so auch am oberen Ende dieser ein echtes Highlight geschaffen würde, welche dann die Innenstadt einrahmten und so ihre Attraktivität steigerten.

Aber auch die anderen Zugangswege zur Innenstadt können optimiert werden. So hat die Verkleinerung der Friedrich-Ebert-Straße an den Stellen der Bushaltestelle Freiheitstraße zu einer angenehmen Verkehrsberuhigung beigetragen. In der Gesamtschauz lässt sich sagen, dass zwei Fahrspuren hier ausreichend sind, da hier keine Rückstaus zu beobachten sind. Zudem, wird im weiteren Verlauf eine Spur insbesondere in Schulzeiten als Parkstreifen zweckentfremdet. Die breite der Straße hat jedoch zur Folge, dass Zufuß-Gehende kaum zu zweit nebeneinander laufen können. Dies wäre aber erforderlich, um beispielsweise zu Spaziergängen in die Innenstadt einzuladen. Eine generelle Verengung der Fahrbahn der Friedrich-Ebert-Straße zugunsten des Gehweges ist deswegen erstrebenswert, wodurch die Lyrenstraße zu einer Umgehungsstraße würde. Kostenlose Parkplätze könnten, um die wegfallenden Parkplätze an der Friedrich-Ebert-Straße aufzufangen zum einen an der Ecke Lyrenstraße/Brinkstraße oder durch die Freigabe der Parkplätze am Polizeigebäude entstehen. Auch hier ist eine Umwandlung zur Shared-Space-Area dann, insbesondere um die Sicherheit der Schulkinder zu erhöhen, vorstellbar.

 

Gezielte Bebauung!

Am August-Bebel-Platz entsteht neuer Wohnraum für viele Menschen. Gut bezahlbar und trotzdem in attraktiver Lage. Das ist ein Markenzeichen einer sozialen Stadt. Doch beispielsweise hinter der Post bleiben Freiflächen, die ebenfalls für den Wohnungsbau genutzt werden sollten. Um hier allerdings eine soziale Durchmischung sicher zu stellen, ist eine – beispielsweise genossenschaftlich organisierte – Bebauung mit Ein- oder Wenigparteienhäusern anzustreben. Dabei ist der direkte Durchgangsweg zum August-Bebel-Platz zu erhalten und zu begrünen.

Zur gezielten Bebauung gehört auch die Schulplanung. Wir wollen keine Brennpunkt-Schule in der Innenstadt, sondern den Ausbau und die Erweiterung der dezentralen Grundschulen im gesamten Wattenscheider Stadtgebiet. Dies fördert eine konstruktive soziale Durchmischung und gibt allen Kindern die Chance auf einen guten Start ins Leben.

 

Verweilen attraktiver machen!

Einen Beitrag hierzu kann auch die Wattenscheider Sozialdemokratie selbst leisten. Nach Vorbild der Mainzer SPD könnte auch die SPD Wattenscheid ein Quartiersbüro in der Innenstadt einrichten, an das sich Wattenscheider*innen mit Fragen zu Kindergeld, Rente oder ähnlichem wenden können und das als Austauschpunkt für bürgerliches Engagement diente. Damit würde nicht nur ein wertvoller sozialer Treffpunkt genau da geschaffen, wo viele Menschen, die diese Hilfe in Anspruch nehmen würde, leben, sondern auch das Vertrauensverhältnis von Bürger*innen und SPD wieder verbessert.

Gleichzeitig könnte die Bezirksvertretung Wattenscheid durch die Anmietung oder Subventionierung passender Räumlichkeiten selbst gemeinnützigen Vereinen und Verbänden, Kunst- und Kulturschaffenden Raum zur Verfügung stellen. Auch das Stadtteilbüro sollte zu diesem Zweck in die Innenstadt ziehen. Diese könnten dort Ausstellungen, Symposien oder Konzerte auch unter Einbeziehung renommierter Künstler*innen abhalten. So lockt bereits heute ein kirchlich betriebener Jugendtreff viele junge Menschen aus unterschiedlichen Milieus in die Innenstadt, besonders zu seinen Konzerten, Liveliteraturveranstaltungen oder Kursangeboten. Durch die skizzierte Schaffung weiterer Angebote würden gezielt auch andere Generationen angesprochen und damit eine Belebung der Innenstadt herbeigeführt.

Hierdurch würde auch die Fluktuation der Umliegenden Restaurants erhöht. Zudem würde die Attraktivität für Geschäftsinhaber*innen, einen Laden in der dann gut besuchten Wattenscheider Innenstadt zu eröffnen, gesteigert. Eine Kettenreaktion entstünde.

 

Ein ganzheitliches Angebot!

Eine Innenstadt, die es sich zum Ziel gesetzt hat, ein breites Angebot der öffentlichen Daseinsvorsorge abzubilden, darf dabei auch ungewöhnliche Wege gehen. Der Stadt-/Tiergarten liegt unweit der Wattenscheider Innenstadt und ist an diese bestens angebunden. Hier gibt es bereits große Wiesen, die zum Ballsport ermuntern, Tischtennisplatten, Schachfelder und Boule-Plätze, neu geschaffen werden könnte hier zudem noch ein Beachvolleyballfeld. Dies wäre in dieser Form einzigartig. Damit würde auch seine Vielfältigkeit noch einmal gesteigert und die Attraktivität erhöht. Auch Besucher*innen aus anderen Teilen der Stadt und aus anderen Städten würden so, beispielsweise zu organisierten Turnieren, angelockt und würden dann sicher auch in der Innenstadt vorbei schauen.

 

Besser Anbinden!

Sowohl die Freilichtbühne als auch die Stadthalle sind aus der Innenstadt heraus bequem fußläufig zu erreichen. Die Anbindung des Ehrenmahlparks wird durch eine zusätzliche Buslinie weiter verbessert. Auch der Park rund um Zeche Holland ist durch die 302 und diverse Buslinien gut an die Wattenscheider Innenstadt angebunden. Damit kann es durchaus Verknüpfungen zwischen neuen kulturellen Angeboten in den Innenstadt und den klassischen Wattenscheider Veranstaltungsorten geben.

Der August-Bebel-Platz wird aktuell als Verkehrskontenpunkt zahlreicher Buslinien sowie der Straßenbahnlinie 302 genutzt. Durch die Erweiterung der 310 durch Westenfeld bis zum August-Bebel-Platz würden jedoch auch die neuen Wohnflächen im Westenfeld durch den ÖPNV erschlossen und auch der Wattenscheider Bahnhof noch einmal besser angebunden. Außerdem könnte eine neue Buslinie entlang des Wattenscheider Hellwegs und der Berliner Straße über den August-Bebel-Platz und Günnigfeld bis hinunter nach Leithe eingerichtet werden. Damit würde die Verbindung Wattenscheid-Mitte und Höntrop noch einmal gestärkt und das attraktive Naherholungsgebiet rund um den Helfs Hof an die Innenstadt angebunden.

Durch die Synergie dieser Aspekte würde die Innenstadt als Knotenpunkt des Lebens in Wattenscheid weiter gesichert.

 

Sicherheit und Sauberkeit!

Aktuell kümmern sich Quartiershausmeister*innen um die Wattenscheider Innenstadt und umliegende Gebiete. Dieser Service sorgt dafür, dass Probleme auf Zugangswegen wie umgefallene Bäume oder unsaubere Stellen schnell gemeldet werden und anschließend beseitigt werden können. Dies dient der Lebensqualität rund um die Wattenscheider Innenstadt und untermauert den Anspruch die Wattenscheider Innenstadt zum sozialen Herzen Wattenscheids insgesamt zu machen auch politisch. Die Quartiershausmeister müssen aus diesem Grund unbedingt erhalten bleiben!

Doch darüber hinaus ist auch die Schaffung weiterer Jobs, die auf dem sozialen Arbeitsmarkt basieren, denkbar. So könnten Shuttleservice im Rahmen von Kulturveranstaltungen eingerichtet werden oder den ehrenamtlich tätigen Vereinen und Verbänden helfende Hände zur Verfügung gestellt werden, wenn dabei Synergieeffekte genutzt werden können.