Die SPD in Wattenscheid-Mitte und Westenfeld

Die Recherchen zur Geschichte des heute selbstbewusst auftretenden Ortsverein WAT Mitte-Westenfeld erinnern gleich an das Prinzip Nothung. Siegfrieds Schwert wurde zunächst auch in 1000 Einzelteile geschlagen, um am Ende – neugeschmiedet – als das beste Schwert seiner Zeit zu gelten.

Bei näherer Betrachtung können wir eine Kernverschmelzung erkennen: der eine Kern, das ehemalige Nur-Westenfeld spaltete sich in den 70er Jahren auf Grund hoher Mitgliederzuwächse, die durch den Neubau des Germanenviertels entstanden, in die damals so genannten Kreisverbände Vogelspoth und Westenfeld. Die damaligen Ur-Mitglieder des Ortsvereins Westenfeld hatten die Qual der Wahl: Westenfeld oder Vogelspoth! Bis heute ist eine Mitglieder-Wohnstruktur erhalten geblieben, die räumlich gesehen, in das Gebiet des jeweils anderen OV hereinragt. Zwei Vorsitzende sind aus dieser Zeit noch zu erwähnen: Karl-Heinz Thiem, nicht nur ein gestrenger Lehrer am damligen Jungengymnasium, der heutigen Märkischen Schule und Hans Schoppmeier, langjähriger Leiter des Bäderamtes, zunächst in Wattenscheid, nach dem Zusammenschluss mit Bochum auch dort. Der Bezirk Nur-Mitte erstreckte sich, obwohl damals die Ortsvereine kleiner waren, ostwärts bis zur Querstraße, dem Gebiet des heutigen Nachbar-Ortsvereins Heide-Ost. Im Laufe der Jahre wurden die Grenzen der Ortsvereine den kommunalen Wahlkreisen angepasst. Die Randgebiete des einen Ortsvereins sollten nicht mehr in Randgebiete des anderen Ortsvereine rücken. Die Neufestlegung der Ortsvereinsgrenzen hatte den Vorteil, dass Absprachen, wann eine Verteileraktion in den entsprechenden Gebieten stattfinden sollten, nicht mehr nötig waren.

Dem Boom im Mitgliederbereich folgte eine eher ernüchterndere Phase: der Strukturwandels des Ruhrgebietes ließ eine Steigerung der Mitgliederzahlen nicht mehr zu, Abwanderung und Desinteresse an aktiver Parteiarbeit stellten die Vorstände aller Ortsvereine vor zuvor nicht gekannten Problemen. In dieser Situation wurde der Vorstand des ehemaligen Westenfeld bei der Jahreshauptversammlung 2000 entlastet. Es wurden aber keine Neuwahlen durchgeführt. Das bedeutete das Aus für einen selbstständigen OV Westenfeld. In Absprache mit dem Stadtbezirk und dem Unterbezirk wurde eine Vereinigung von Wattenscheid Mitte und Westenfeld erzielt, der sich nun offiziell: Ortsverein Wattenscheid-Mitte/Westenfeld nennt. Räumlich werden die Genoss*innen von sämtlichen Ortsvereinen Wattenscheids (Ausnahme: Eppendorf) umfriedet.

Auf vier OV–Vorsitzende kann der dynamische und inzwischen äußert eingespielte Ortsverein nunmehr zurückblicken: auf die Initiatorin Irmgard Scheinhardt folgte der Gewerkschafter und Polit-Kabarettist Jürgen Diekmann sowie der ehemalige Ratsherr Wilfried Knappe. Das langjährige Ratsmitglied Christina Knappe lenkte die Geschicke dieses Ortsvereines anschließend über zehn Jahre lang sehr erfolgreich, bis der Ortsverein im März 2017 einen solidarischen Neuanfang wagte und Thorsten Nolte, einen Quartiershausmeister an seine Spitze wählte und ihm den damals 22-jährigen Jan Bühlbecker und eben neuerlich Christina Knappe zur Seite stellte.

Die politischen Herausforderungen ähneln sich dabei denen der alten Zeit – Obwohl es neue Fragen sind, die heute beantwortet werden wollen. Doch Wattenscheid-Mitte und Westenfeld sind über die Jahre im Blickfeld eines stetigen Strukturwandels geblieben, der neben Herausforderungen auch große Chancen bietet, die nachfolgenden Ziele zu erreichen. Ein starker Zusammenhalt der dabei alle Generationen des so noch jungen und doch auch alten Ortsvereins ist derweil aber aus diesem Grund gewiss.

Und so blickt der Ortsverein sehr optimistisch in die Zukunft. Die erfahrenen Politi-Profis bleiben treu, eine neue Generation Sozialdemokrat*innen stößt langsam hinzu – Doch in ihren Werten: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität und in ihrem Ziel, Wattenscheid dementsprechend zu verbessern und auch überregional für die Gesellschaft der Freien und Gleichen einzutreten, bleiben sie – wie zu einem Schwerte – geeint.