Bochum in Europa, Bochum in der Welt: Städtepartnerschaften fördern und ausbauen

Städtepartnerschaften haben in der Geschichte eine wichtige Rolle gespielt – Und das nicht nur für Bochum: Nach schreckliche Krisen, generationenüberdauernden Konflikten, Kriegen und historischen Umbrüchen halfen sie, Vertrauen wieder aufzubauen, politisch und wirtschaftlich zusammenzuarbeiten und so letztendlich auch Frieden in Freiheit und Fortschritt zu sichern.

In Bochum erlebten wir das schnell und intensiv: Schon im ersten Jahr nach Gründung der Bundesrepublik schloss sich die Stadt Sheffield im Vereinigten Königreich mit unserer Stadt zusammen, um neues Vertrauen aufzubauen und beim Wiederaufbau zu helfen. 1980 konnte eine Brücke ins spanische Oviedo geschlagen werden, beide Städte eint, dass sie Studierendenmetropolen sind. Aber auch Bochum übernahm mit Städtepartnerschaften Verantwortung: 1987 gingen wir ein eben solches Bündnis mit der ukrainischen Stadt Donezk ein, 1990 folgte im Zuge der Wiedervereinigung eine Partnerschaft mit der Ostdeutschen Stadt Nordhausen in Thüringen. Hier war es dann Bochum, das nach großen Umbrüchen Halt in einer stabilen Städtepartnerschaft versprach. Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Stadt Xuzhou in China (seit 1994), die insbesondere durch das Suchen nach Antworten auf den Strukturwandel gekennzeichnet ist und ein Kooperationsabkommen mit dem italienischen Lecco (seit 2009) runden das aktuelle Bild der städtischen Zusammenarbeit ab. Wir stellen fest: Städtepartnerschaften sind gut für Bochum.

Dennoch erleben wir, dass Städtepartnerschaften in der Stadtgesellschaft zuletzt eine immer kleinere Rolle spielen: Partnerschaftsvereine verlieren an Mitgliedern, Straßenschilder verstauben und neue Formen der Zusammenarbeit, die über Besuche auf Verwaltungsleitungsebene hinaus gehen, wurden zuletzt nicht entwickelt. Als Bochumer Sozialdemokratie wollen wir hier eine Trendwende einleiten, denn wir sind davon überzeugt, dass Städtepartnerschaften von den Stadtgesellschaften leben und nicht von den Stadtoberen. Gleiches gilt auch für die Europäische Einigung die das größte Friedensprojekt in der Geschichte der Menschheit ist allerdings jedoch aktuell ebenfalls auf viele Menschen ungreifbar wirkt und deswegen für nationalistische Spalter*innen angreifbar erscheint.

Deswegen wollen wir bestehende Partnerschaften pflegen, neue eingehen und ihre Sichtbarkeit und damit die Möglichkeit für alle Menschen in Bochum an ihnen teilzuhaben, erhöhen. Hierfür werden wir uns – auch in unserem Wahlprogramm bei der anstehenden Kommunalwahl – für folgende drei Punkte einsetzen:

 

Partnerschaften sichtbar machen und ausbauen

Wir wollen die Geschichten unserer Städtepartnerschaften an zentraler Stelle im Bochumer Stadtbild ausführlicher und moderner erzählen als wir es bisher getan haben. Dazu gehört für uns auch, dass wir die Bochum Tourismus dahingend ausbauen werden, dass wir verstärkt Reiseangebote in unsere Partnerstädte anbieten und organisieren werden und wir uns dafür einsetzten, dass unsere Partnerstädte entsprechende Angebote auch für Besuche in unserer Stadt ermöglichen. Darüberhinaus werden wir uns dafür einsetzten, im Internet Angebote zu schaffen, die über aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen in unseren Partnerstädten informieren. Dabei wollen wir auch diejenigen einbinden, die unter den im Folgenden genannten Aspekten als Botschafter*innen Bochums in die Welt entsendet werden. Zudem werden wir basierend auf unserer Geschichte und der aktuellen Situation unserer Stadt mit wachem Auge in die Welt und gegebenenfalls neue Partnerschaften in Europa und der Welt eingehen.

 

Jugendaustausch fördern und Verbindungen fürs Leben ermöglichen

Wir planen für Jugendliche und junge Erwachsene in unserer Stadt halbjährliche Stipendien zu vergeben, entweder ein Auslandsuniversitätssemester oder einen Teil der betrieblichen Ausbildung in einer unserer Partnerstädte zu absolvieren. Unser Fokus liegt dabei insbesondere auf jungen Menschen, die eine Ausbildung absolvieren, da sie bislang zu wenige Möglichkeiten erhalten, ins Ausland zu gehen. Für sie soll es auch Möglichkeiten geben, beispielsweise einen Sonderurlaub für diesen Aufenthalt in einer Bochumer Partnerschaft zu beantragen. Damit wollen wir junge Menschen aus allen sozialen Sichten für die Städtepartnerschaften gewinnen und ihnen helfen, Weltbürger*innen zu werden. In diesem Zusammenhang werden wir auch auf unsere Partnerstädte einwirken, ihrer Jugend ähnliche Möglichkeiten zu verschaffen.

 

Kultur und Sport – Austausch zwischen denen, die Gesellschaft prägen

Doch wir wollen nicht nur jungen Leuten ermöglichen, gefördert unsere Städtepartnerschaften kennenzulernen. Wir werden wir auch Kulturschaffende bei ihrem Austausch mit Kolleg*innen in Partnerstädten unterstützen und Verbindungen zwischen Sportvereinen herstellen. Kurzfristig wollen wir zum einen auf Verwaltungsebene Vernetzungsstellen schaffen und – gemeinsam mit Partner*innen aus der Wirtschaft – Austauschreisen, die mit gemeinsamen Ausstellungen, Aufführungen und Konzerten sowie sportlichen Wettkämpfen ermöglichen. Unser langfristiges Ziel aber sind regelmäßige Festivals der Städtepartnerschaften, die getragen werden von denen, die in den beteiligten Städten ihre Stadtgesellschaft durch ihr kulturelles oder sportliches Engagement prägen. So erhöhen wir die Sichtbarkeit der Städtepartnerschaften und schaffen in ihnen ein belebendes Element auch für die Stadtgesellschaft hier bei uns vor Ort in Bochum.