Vonovia-Versagen! 60.000 neue Wohnungen werden weiter nicht gebaut I Jan Bühlbecker für REVOLTE

Das Wohnungsunternehmen Vonovia hat angekündigt, weitere Neubauprojekte. Das beweist einmal mehr: Der Markt regelt NICHT.

“Die Inflation und die Zinsen sind enorm gestiegen. Hinzu kommen die Baukosten, die im vergangenen Jahr um mehr als 16% gestiegen sind”, schrieb Vonovia bereits Anfang des Jahres auf Twitter. Die Konsequenz für den Bochumer Immobilienkonzern: Weitere Neubauprojekte für 2023 werden ausgesetzt! Insgesamt 60.000 Wohnungen werden NICHT gebaut.

Konzern-Chef Volker Bruch erklärt: “Wir hoffen, dass sich Bauen bald wieder lohnt und rechnet. Dann wollen wir sofort wieder bauen.”

Diese Haltung ist VERANTWORTUNGSLOS! Denn schon heute fehlen hunderttausende Wohnungen in Deutschland. Das weiß auch der Vonovia-Boss: “Meine Schätzung ist, wir brauchen 700.000 Wohnungen im Jahr.” Bereits heute würden aber über eine Millionen Wohnungen fehlen.

Übrigens: Auch beim Thema Nachhaltigkeit tritt Vonovia seit Jahren auf der Stelle.

Der Firmenriese weiß also, dass gebaut werden muss – und will TROTZDEM NICHT BAUEN. Damit stiehlt sich Vonovia aus seiner gesellschaftlichen Verantwortung. Zur Einordnung: Mit über einer halben Millionen Wohnungen ist der DAX-Konzern nach der Fusion mit der Deutsche Wohnen das größte Wohnungsunternehmen des Landes!

Dann muss der Staat es regeln: IG BAU fordert Einstieg bei Vonovia

Die IG BAU kritisiert das scharf – und fordert einen Staatseinstieg beim Wohnungsriesen. 25% plus eine Aktie soll der Bund halten. “Der Staat würde damit Einfluss auf die langfristige Strategie bei Vonovia bekommen – also auch auf den Neubau, die Modernisierungen und die Mietpreisentwicklung”, erklärt Gewerkschaftsboss Robert Feiger den Vorschlag. Weitere Vorteile: Auch bei wichtigen Geschäftsentwicklungen etwa in Punkto Nachhaltigkeit und Arbeitnehmer*innenschutz könnte der Staat so noch direkter mitgestalten.

Aber apropos Mietpreise: Einen Mietenstopp, wie ihn die SPD-Bundestagsfraktion vorschlägt, lehnt Vonovia auch ab. Boss Bruch: “Allein die Diskussion erschwert schon neue Investitionen. Ein tatsächlicher Mietenstopp würde dazu führen, dass noch weniger gebaut wird als jetzt schon.” Was für eine ARROGANTE ANSAGE in Anbetracht der hohen Inflation! Und der eigenen Unfähigkeit…

…die eine Staatsbeteiligung gerade übrigens ganz schön erschwinglich machen würde: In den letzten drei Jahren hat sich der Aktienwert von Vonovia nämlich MEHR ALS HALBIERT!

Also: Wenn nicht jetzt, wann dann, Deutschland?!

Auch Gesamtverstaatlichung wird diskutiert

Dem Berliner Bündnis “Deutsche Wohnen und Co. enteignen” geht der Vorschlag IG BAU derweils nicht weit genug. Sie fordern weiterhin die Umsetzung des Volksentscheids, bei dem 2021 knapp 60% der Berliner Wähler*innen für die Überführung von Deutsche Wohnen und Vonovia in eine gemeinnützige und öffentlich-rechtliche Wohngenossenschaft gefordert hatten. So soll auch eine starke Verankerung vor Ort und eine Beteiligung der Mieter*innen an ihren Quartieren gesichert werden.

Unterstützung bekommt das Bündnis unter anderem vom Berliner Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und von Fridays for Future.

Auch eine verfassungsrechtliche Expert*innenkommission hatte dabei zuletzt bestätigt, dass eine Enteignung mit dem Grundgesetz vereinbar wäre.

Wie weiter, Wohnungsmarkt?

Fakt ist: Die neuerliche Ankündigung von Vonovia, DRINGEND BENÖTIGTE Neubauprojekte aufzuschieben, ist ein Offenbarungseid. Kommt es auf ihn an, ist auf den Markt KEIN VERLASS! Es braucht darum Konsequenzen. Denn die Wohnungsnot in Deutschland ist ein zu ernstes Thema, um sie weiter dem Marktversagen zu überlassen!

Fassen wir also zusammen: Die IG BAU schlägt eine Staatsbeteiligung vor. Der Berliner Volksentscheid schlägt vor, gemeinnützige, öffentlich-rechtlich-organisierte Wohngenossenschaften zu gründen.

Und beide haben Recht!

Denn kombiniert man beide Ideen, stellt man sicher, dass durch Staatsbeteiligung gesamtgesellschaftlich geregelt wird, dass die politische Richtung der Wohnungsbaukonzerne stimmt, zum Beispiel in puncto Neubau-Offensive, klimafreundlichem Bauen und fairen Mietpreisen. Und öffentlich-rechtliche Wohnungsgenossenschaften sichern eine Verankerung vor Ort und ein vielfältiges und solidarisch zusammengesetztes Mieter*innen-Portfolio.

Also: Die richtigen Reform-Ideen für Vonovia liegen auf dem Tisch. Wird Zeit, dass die Politik sie mutig umsetzt!