Vater-Freude: Deutschlands Papas wollen mehr Gleichberechtigung I Jan Bühlbecker für REVOLTE

Der aktuelle Väterreport ist veröffentlicht. Und er zeigt: Väter wollen mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen.

Jeder zweite Vater würde gern die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen.

Mehr als jeder zweite Vater findet demnach, dass kleine Kinder genauso gut vom Vater betreut werden können wie von ihrer Mutter.

Und zwei Drittel der Väter fordern gleiche Karrierechancen und finanzielle Unabhängigkeit für beide Elternteile.

Das sind nur drei eindrucksvolle Ergebnisse aus dem aktuellen Väterreport des Bundesfamilienministeriums, der am Montag veröffentlicht wurde.

Aber: In der Praxis setze nur jeder fünfte befragte Vater das Vorhaben auch um, sich zu gleichen Teilen den Kindern zu widmen.

Zehn Tage Familienzeit für alle

Es klafft eine RIESENLÜCKE zwischen Wunsch und Realität!

Wie kann das sein?

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) steht fest: Die Arbeitsbedingungen, gerade für “frische Väter”, müssen sich verbessern. DGB-Vize Elke Hannack erklärt im RND: “Die Arbeitgeber müssen endlich die Flexibilität an den Tag legen, die sie von ihren Beschäftigten immer einfordern.”

Konkret fordert der DGB zehn Tage Familienzeit für beide Elternteile direkt nach der Geburt eines Kindes.

Aber Väter sollten auch selbstbewusster in Elternzeit gehen können, findet Meret Matthes, ver.di-Expertin für Gleichstellungspolitik: “Männer ringen unter anderem damit, Elternzeit in Anspruch zu nehmen, weil sie das Feedback bekommen: ‘Haben Sie denn keine Frau?’”

Bessere Vereinbarkeit von Care- und Lohnarbeit

Immerhin: Eine Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt, dass zwar die Zahl der Männer zunimmt, die das Angebot einer bezahlten Elternzeit nutzen. Aber: 90% von ihnen setzen nur maximal zwei von zwölf möglichen Monaten mit der Arbeit aus. Und: Mehr als die Hälfte der Papas entscheidet sich ganz dagegen.

Auch Beate von Miquel, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, hat eindeutige Vorschläge: “Es braucht eine bessere Bezahlung in frauendominierten Branchen, Arbeitszeiten, die zum Leben passen, Abschaffung vom Ehegattensplitting und Minijobs sowie eine gute und verlässliche Kinderbetreuung gehören dazu.”

Auch die Vier-Tage-Woche, mehr Mindestlohn und das solidarische Grundeinkommen könnten also helfen.

Fest steht: Der Väterreport ist ein Arbeitsauftrag. Lasst uns mehr Gleichstellung machen!